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Pfingsten – ein Rollentausch

Ein  Hörspiel über das Pfingstfest soll entstehen. Die Geschichte, wie sie in der Apostelgeschichte Kapitel 2 nachzulesen ist, wird in verschiedene Rollen aufgeteilt.  Einer ist zuständig für die Geräusche im Hintergrund, einer wird Erzähler, andere sind Zuhörer und Gäste aus fernen Ländern. Lange wird diskutiert, wer die Rolle der Jünger und vor allem die von Petrus übernehmen soll. Denn Petrus hat einen langen und schwierigen Text zu sprechen. Da heißt es in der Apostelgeschichte: „Petrus voll des Heiligen Geistes sprach zu ihnen.“ „Wer kann so sprechen? Wie soll derjenige sprechen? Voller Begeisterung, mit tiefem Bass? Wer von uns ist in der Lage überzeugend diese Worte anderen nahezubringen? Man muss doch spüren: Dr glaubt das, was er da sagt! Das muss überwältigend klingen! Ein Stimmwunder muss der Sprecher sein! Der Sprecher muss Feuer und Flamme sein, nicht nur vom Innern her, sondern auch auf der Zunge, wie in der Geschichte!“

Keiner aus der Gruppe will diese Rolle übernehmen. Alle haben Angst und suchen sich andere Aufgaben. Nur einer bleibt übrig, der sich bisher überhaupt nicht in den Vordergrund gedrängt hat: Einer, der kein guter Redner und Sprecher ist – einer, der eher stottert als flüssig Texte liest. Die Aufnahme wird gestartet. Und so kommt im Ergebnis eine Petrus rede zustande, die eher jämmerlich als feurig überzeugend klingt. Ängstlich und mit vielen Fehlern behaftet klingt dann die Stimme aus dem Lautsprecher.

Soll das die Rede des Petrus voll des Heiligen Geistes sein? Der schwache Redner ist mit seiner mühsamen Gestaltung der Petrusrede der Sache von Pfingsten viel näher als ein perfekt deklamierter Vortrag durch einen Schauspieler. Hatte Petrus nicht auch Angst, oder möglicherweise gestottert und leise gesprochen? Der Heilige Geist erweist sich in der Wirkung. Petrus hat gesprochen und nicht geschwiegen. Die Leute verstanden die Worte, die Sache, die Geschichte. Sie verstanden ihr Leben neu. Das geschah, weil der Geist Gottes zu den allzu menschlich und teilweise stümperhaften Worten hinzukam und neue Einsichten brachte.

Neue Einsichten – davon spricht Petrus: Junge Menschen werden Visionen haben und weise Worte finden bzw. weise Ratschläge geben können und danach handeln. Alte träumen von einer Welt neu und wunderbar.

Scheinbar werden die Rollen getauscht: Junge Menschen werden weise – Alte erträumen sich eine schöne Zukunft. Bewegung kommt in unser Leben. Nichts bleibt wie es ist. Junge Menschen übernehmen Verantwortung und sagen, was Gott zu sagen hätte – Ältere fallen dadurch auf, dass sie Hoffnung und viel Freude ausstrahlen.

An diesem Wochenende sind wir eingeladen dazu, auf leise Worte zu hören und um das Wirken des Geistes Gottes zu bitten, damit Weisheit und Zukunftsträume Menschen in Bewegung bringen.
Lassen Sie sich vom Rollentausch überraschen!

(Michael Heimann)