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Gottvertrauen und Bilanz im letzten Viertel des Jahres

Das letzte Viertel  des Jahres hat begonnen. Die Ernte ist eingefahren. Ich ziehe Bilanz: Was habe ich erreicht in diesem Jahr, was hatte ich mir vorgenommen und auch durchgeführt? Welche Erfolge konnte ich feiern, welche blieben aus? Und welche Ziele kann ich mir für die nächsten drei Monate des Jahres noch stellen?

Die Bewertung dessen, was mir gelungen ist, oder was ich erreicht habe, wird für einen jeden von uns unterschiedlich ausfallen. Jeder von uns hatte andere Ziele und anderes erreicht. Aber auch meine Selbsteinschätzung sieht anders aus, als das, was die anderen über mein Handeln und Tun denken.  Wo ich meine: Das ist ganz gut gewesen, sind andere unzufrieden. Und umgekehrt: Wo ich denke, das ist mir nicht gelungen, finden es andere wieder ganz gut.

Mit welcher Zufriedenheit und Hoffnung kann ich nun in den Herbst und Winter hineingehen? Gibt es Hoffnung, doch noch einiges Schöne erleben oder Wichtiges leisten zu können?
Gewöhnlicherweise lassen düstere Tage mit weniger Sonnenschein auch meine  positiven Erwartungen nach unten sinken. Und wenn ich dann auch noch Unzufriedenheit in mir oder um mich herum verspüre wird es noch trüber.
Das muss und braucht aber nicht so sein!
Das Bibelwort für die kommende Woche will die Fessel der Depression und Traurigkeit durchbrechen:  „Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.“
Da wird von neuem Leben gesprochen und darüber dass die lähmende Dunkelheit überwunden wird. Ja, ich möchte gerne daran glauben, aber es fällt nicht leicht.
Und dann höre ich auf andere Menschen, die davon erzählen, wie sie die Zeiten der Unsicherheit und Verzagtheit überwunden haben. Sicherlich mit viel Geduld, aber da gab es auch manchmal Anstöße von außen, überraschende Momente wo sie eine andere Kraft in Bewegung setzte.  Da ist es ein interessanter Gedanke, der neugierig macht auf das Leben. Da ist eine Liebe, die sichtbar und spürbar wird und weiterträgt. Überraschungen, mitten im Leben, auch im Herbst des Jahres oder meines Lebens…..

Darauf will ich vertrauen, dass es solche Überraschungen gibt. Es führt zu mehr Gelassenheit. Gelassenheit, die sich auch in Versen von Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808) der Mutter von Johann Wolfgang von Goethe findet:

» Rezeptvorschlag für ein ganzes Jahr: Man nehme 12 Monate, putze sie ganz sauber von Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und Angst und zerlege jeden Monat in 30 oder 31 Tage, so dass der Vorrat für ein Jahr reicht. Es wird jeder Tag einzeln angerichtet aus einem Teil Arbeit und zwei Teilen Frohsinn und Humor. Man füge drei gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, einen Teelöffel Toleranz, ein Kännchen Ironie und eine Prise Takt.

 Dann wird die Masse sehr reichlich mit Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmücke man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviere es täglich mit Heiterkeit und einer guten, erquickenden Tasse Tee.  

Gott, der mir von Jugend an so viel Gnade erwiesen hat, der wird schon ein Plätzchen aussuchen, wo ich meine alten Tage ruhig und zufrieden beschließen kann. Ich freue mich des Lebens, ich suche  keine Dornen,  hasche die kleineren Freuden.  

Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich; kann ich den Stein aus dem Weg tun, so tu ich 's. Ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum, und so finde ich alle Tage etwas, das mich freut.  

Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich.“  

Kleine Schritte auf das Ende des Jahres zu, mit dem Vertrauen darauf, dass es angenehme Überraschungen geben kann, will ich gehen und nicht böse sein, wenn ich Umwege gehen muss. Ich bin nicht allein auf dem Weg: Andere sind an meiner Seite und es ist eine Kraft außerhalb von mir, die mich aufweckt zu neuem Leben.



(Michael Heimann, Märkische Allgemeine 8./9.10.2011)