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Alles ist erlaubt - aber nicht alles nützt

„Das ist jetzt dran, das ist das Motto für die nächsten Tage: „Ich kann tun und lassen was ich will.“ So höre ich  einen sagen, der jetzt in richtiger Fastnachtsstimmung ist und von Feier zu Feier reist. „Jetzt einmal so richtig ausleben, jetzt so richtig austoben – mal was wagen, wozu ich mich sonst nicht traue. Jetzt ist es erlaubt auch einmal über die Stränge zu schlagen. So manchen Scherz sieht man mir nach.“
Alles ist mir erlaubt. Freiheit kann gelebt werden in diesen Tagen vor Beginn der Fastenzeit. Das kann Freude bereiten.
„Freiheit kann ganz und gar nicht gelebt werden!“, entgegnet ein anderer, der sich in den Mühlen eines Betriebes sieht und unter Hochdruck bei eisigen Temperaturen arbeiten muss. „Ganz egal ob ich durchhalte oder ob die Ersatzteile da sind: Von mir wird Unmögliches verlangt. Ich fühle mich eingeschnürt in ein enges Korsett. Das macht keinen Spaß.“  Ähnlich eingeschnürt fühlt sich auch der, der gerade ein neues Amt übernommen hat, voller Pläne und Ideen war und merkt, dass die Gegebenheiten nun ganz anders sind, finanzielle und terminliche Barrieren sich aufbauen. „Ich dachte, ich kann nun tun und lassen was ich will. Aber: Von Freiheit spüre ich da im Moment nichts. Es mach mir eher Angst, was auf mich zukommt.“

„Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt“, schreibt einer in einem Brief an eine Gemeinde. Denn es wird sichtbar, dass manche es mit der Freiheit sich sehr einfach machen. „Alles ist erlaubt – also tun wir es!“ „Wir sind so frei – und nehmen uns unsere Rechte.“  Gefühlsmäßig auf hoher Welle schwimmend lässt sich feiern und das Leben in vollen Zügen genießen. Das kann alles solch einen Spaß machen. „Das Leben kann ein Spaß sein.“ Und immer so weiter, bis die schönen Tage vorbei sind oder Kräfte nachlassen.  Am Ende bleibt ein schaler Nachgeschmack: „Da habe ich es wohl übertrieben.“

„Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf“, heißt es in dem Brief weiter. Es klingt wie eine Ermutigung: „Probier es doch aus, probier dich im Leben aus. Teste dich aus. Schau wie weit du gehen kannst und was dir gut tut. Nutze die Freiheit, die du hast, um dir was Gutes zu gönnen! Tu‘ das, was dich aufbaut – dich stärkt!“

„Aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“, geht der Gedanke im Brief weiter. Da wird mir erst schmackhaft gemacht, dass ich große Freiheiten habe, mein Leben zu gestalten und mich selbst ausprobieren kann, dass ich das suchen kann was mich persönlich stärkt und mir gut tut. Und im nächsten Satz kommt der Hinweis: „Es geht aber nicht darum, dass du dich auferbaust, sondern, dass die anderen auferbaut werden. Die Gemeinschaft ist wichtig, das Gemeinwohl ist wichtig. Was dir als Einzelnem dient, muss noch lange nicht nützlich für andere sein, schon gar nicht dem Zusammenhalt in der Gemeinde nützen. Probier dich und deine Freiheiten aus, lass‘ deine Phantasie sprießen, probiere was du verändern kannst – aber tu‘ das immer unter dem Blickwinkel: Was nützt uns allen?“
Es kann auferbauend sein, Fastnacht zu feiern. Es kann einem Einzelnen guttun und auch förderlich für den Zusammenhalt in der Gemeinde sein. Die Freiheit hat allerdings auch ihre Grenzen. Es kann auch aufbauend sein, in einem politischen Amt konsequent für eine Überzeugung einzutreten, selbst wenn es viele nicht verstehen. Der Wunsch nach Freiheit darf sich nicht in Beliebigkeit verwandeln.

„Das ist jetzt dran, das ist das Motto für diesen Monat.“ Paulus schreibt vor knapp zweitausend Jahren: „Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen.“