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Die Freiheit feiern …

Eine Reihe von Festtagen liegt hinter uns oder wir sind noch mittendrin: Erntedankfest, Oktoberfest, Tag der Deutschen Einheit..... Diese Festtage sind gefüllt mit Aktionen und Veranstaltungen unterschiedlicher Art oder auch mit viel Arbeit. Mancher unter uns hat zusätzliche Arbeitsstunden leisten müssen.

 

Am Ende dieser Woche möchte ich aufatmen und verschnaufen. "Endlich Ruhe danach" und ein erleichtertes Aufstöhnen geht die Lippen: "Geschafft!" Von Erleichterung spricht auch die erste Schöpfungserzählung der Bibel: "Und Gott sah an, alles was er gemacht hatte und siehe es war sehr gut und er ruhte am siebenten Tag." Der morgige Sonntag ist der Tag der Gebote Gottes. Die Zehn Gebote nehmen Bezug auf den Ruhetag Gottes und verordnen auch dem Volk einen "Sabbat". Sabbat - Das ist aber mehr als unser Sonntag. Denn das Verb "sabbat" bedeutet "aufhören". Ausdrücklich, so heißt es in der Bibel, soll am siebenten Tag mit der Arbeit aufgehört werden, auch wenn viel zu erledigen ist. Selbst in der Erntezeit gilt das und "beim Pflügen sollst Du aufhören".

 

Am siebenten Tag ist Pause, Ruhe. Dies gilt für alle, für die Eltern, Kinder, Angestellten. Gott gibt allen diesen Tag als freien Tag, als wöchentliches Zeichen der Freiheit. "Als Zeichen der Freiheit". Denn Gott hat sein Volk nicht umsonst aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Als Befreite sollen die Menschen nun auch leben können.

 

"Aber wenn mir das nicht möglich ist, wenn ich so viele Pflichten zu erledigen habe, wenn ich nicht mehr selber bestimmen kann, wann ich aufhören oder anfangen soll zu arbeiten? Wenn der Druck so groß ist? Was ist dann?"

 

Diese Fragen stellen sich mir, und es wird mir bewusst, wie unfrei ich manchmal lebe. Eigenständig zu bestimmen, wann ich mit der Arbeit anzufangen oder aufzuhören habe, das gelingt mir wie wohl vielen von uns selten. Gerade in dieser Woche ist das wieder deutlich geworden, als der Tag der deutschen Einheit, der Tag zum Feiern der Freiheit als Festtag gefeiert werden sollte und doch zu einem Tag zur Arbeit vieler wurde.

 

Gibt es diese Freiheit womöglich gar nicht mehr? Sind wir dabei sie zu verlieren, oder selbst mit zu verspielen indem wie unbedacht darauf verzichten und das Recht auf Pause und Ruhe nicht in Anspruch nehmen?

 

In der jüdischen Tradition wird der Tag der Ruhe zum Teil ganz konsequent eingehalten. Was zunächst erst einmal als sehr anstrengend aussieht, hat ganz positive Folgen: Ruhe für den Körper, Ruhe für die Seele, Zeit für die Kinder, Zeit füreinander, Zeit um zu lesen, Zeit um miteinander zu reden und sich zu unterhalten, etwas voneinander zu erfahren und sich zu freuen über das Geschenk des Lebens mit seinen Schwierigkeiten aber vor allem auch mit seinen reichen Gaben.

 

Jeder Sabbat, Ruhetag oder Sonntag kann so zu seinem Festtag werden, an dem ein Zeichen gesetzt wird für die Freiheit. Einen Tag lang sind Menschen frei von dem Zwang und der Last der Woche und zeigen das auch: Wir sind frei.

 

Schwierig ist es, so zu leben, wenn die Tage der Woche nicht gereicht haben, um die nötigen Arbeiten im Betrieb oder im Haushalt zu erledigen. Aber vielleicht gelingt es uns, das was zu tun ist, auf das wirklich Notwendende zu begrenzen oder gemeinsam zu erledigen, damit möglichst alle in den Genuss eines freien Tages kommen. Denn wenn Gott das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten geführt hat, dann sollte es auch so bleiben.

 

Gott ruhte am siebenten Tag und lädt uns auch ein einen Tag frei und ohne Last zu leben. "Atme auf, lass deine Sorgen für einen Tag einmal zurück. Überlass für diesen einen Tag deine Sorgen Gott und freue Dich des Lebens!"

Diese Sorglosigkeit und diese Freude über die Freiheit gilt es einzuüben.Eltern können es ihren Kindern vorleben - Lehrer ihren Schülern, Geschäftsführer ihren Angestellten und auch die Kirchengemeinden: "Wir machen Pause und halten ein, wir freuen uns über die geschenkte Freiheit und überlassen uns und unsere Sorgen Gott. Wir lassen uns Zeit füreinander und kommen ins Gespräch. Wir gestalten unsere Feiern so, dass wir dankbar aufatmen können."

 

Wie heißt es in einer Übertragung des dritten Gebotes nach Ernst Lange: "Gott sprich: Du sollst frei sein von dem Alltagsgeschäft, das dir die Luft zum Atmen zu nehmen droht. Ich schenke dir die Ruhe, die du brauchst, um wieder zu dir zu finden und zu erkennen, dass du aus meinen Händen kommst und von mir gehalten bist."

 

Michael Heimann, Andacht in der Tageszeitung "Märkische Allgemeine" vom 6.10.2007