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Lebensmittel für meine Seele

Was ist Ihr Lieblingsessen? So ähnlich werden Menschen befragt, wenn sie Auskunft über ihre Person geben sollen. In Freundschaftsbüchern der Kinder oder auch bei Besuchen in Familien- und Freundeskreisen wird danach gefragt: Was isst du am Liebsten?

Die Antwort fällt oftmals leicht. Die einen nennen dann Pizza oder Spaghetti, andere Eisbein oder Kartoffelsuppe. Anhand dieser Selbstbeschreibung fällt es uns leichter eine Person einzuschätzen oder zu beschreiben.

Wer im Laufe der Arbeitswoche keine Gelegenheit hat, um eine warme Mahlzeit einzunehmen und sich mit einer Bratwurst vom Imbissstand zufrieden geben muss, bekommt dann zu hören: „Nun ernähre dich mal etwas ausgewogener und gesünder!" Wir wissen es: Vielfältig soll unser Speiseplan aussehen, gefüllt mit Salat, Obst und Gemüse - eben mehr, als die Mikrowelle oder Bratpfanne hergeben.

Wie ernähren wir uns? Diese Frage steht auch dafür: Wovon leben wir? Was ist die geistige Nahrung für mein Leben? Womit beschäftige ich mich tagaus, tagein. Wovon lasse ich mich bestimmen und leiten? Was ist mein Steckenpferd, was mein Hobby?

Diese Fragen sind berechtigt. Denn es geht ja nicht nur um meine leibliche , sondern auch um meine seelische Gesundheit. Auch im geistigen Leben kann ich mich mit einer ganzen Menge Sachen voll stopfen, die mir womöglich gar nicht dienlich sind, die mir wie einseitige Ernährung schaden. Was wie ein Hobby oder berufliche Spezialisierung beginnt, kann dazu führen, dass ich mich ausschließlich damit beschäftige, kaum noch andere Dinge wahrnehme. Es kann dazu führen, dass ich gar nicht spüre, wie einsam ich letztlich werde, weil ich die Relationen verloren habe.

„Nun ernähre dich mal etwas ausgewogener und gesünder!" Auch für mein seelisches Leben brauche ich ausgewogene Nahrung. Ich brauche Nahrung, die mir auch dann noch hilft, wenn ich durch äußere Umstände nicht mehr in der Lage bin, meinem Hobby zu frönen oder wenn ich auf die letzte Frage meines Lebens geworfen bin: „Was war nun der Sinn meines Lebens?"

„Ernähre dich ausgewogener!" - Was kann das heißen? Von den ersten Christen heißt es: „Sie blieben beständig in der Lehre, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und im Gebet."

Das sind vier Elemente einer ausgewogenen Seelennahrung. Wenn es um die Lehre geht, dann ist damit sicherlich die Bibel gemeint. Es ist damit aber auch gemeint, dass ich mich beschäftige mit dem, was ist gut für mich und die Menschen: Auf welche Weisheit und Hoffnung von Menschen lange vor mir kann ich zurückgreifen?

Sie blieben in der Gemeinschaft. - Es reicht also nicht, nur gute Gedanken für mich allein zu haben. Gut ist es in einer Gemeinschaft zu leben, die mein Leben mit mir teilt, die sich mit mir freut und auch leidet. Die mir auch einmal weiterhilft, wenn ich einen Rat brauche. Diese Gemeinschaft gilt es zu pflegen auch in den Zeiten, in denen es mir gut geht.

Und sie blieben im Brotbrechen. - Damit ist das Abendmahl gemeint, wo ich mit allen Sinnen erfahre, wie freundlich Gott zu mir ist und mir Kraft gibt. Verbunden damit ist aber auch das Teilen des Brotes, das Anteilnehmen aneinander, das Austeilen der und Teilen der Gaben, die uns gegeben sind. Gesund ist mein Leben, wenn ich bereit bin von dem abzugeben, was mir an Gaben geschenkt ist - für eine soziale Gerechtigkeit unerlässlich.

Sie blieben im Gebet. - „Beten ist ein Leben im Gespräch mit Gott", heißt es. Wer das Musical „Der Fiedler auf dem Dach" gesehen hat, weiß wie die Hauptperson ständig mit Gott geredet hat, wie sie ihm gedankt und wie auch mit ihm gestritten hat. Gebet ist eine beständige Auseinandersetzung mit einem Gegenüber, mit Gott, der ein offenes Ohr für mich hat. Diese Auseinandersetzung, dieses Gegenüber kann mir helfen und zeigen, dass ich nicht allein bin.

„Das ist aber gar nicht meine Sache", mag einer denken. „Das liegt mir gar nicht." Ja, die Geschmäcker sind verschieden. Jeder hat sein Lieblingsessen. So ist es auch bei der seelischen Nahrung. Jeder wird seine Form finden, für sich das Richtige zu tun und zu einem ausgewogenen Verhältnis zu kommen. Ausgewogene Seelennahrung wird mir empfohlen. Ich bin eingeladen zu überprüfen, was mir gut tut und ich bin eingeladen die vorhin genannten grundsätzlichen „Lebensmittel" für meine Seele zu probieren.

M.heimann

Der Autor ist Pfarrer in Borgisdorf.