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....also hab Mut! Denn die Welt ist nicht schlecht.

„Das Leben ist nicht immer nur einfach und manchmal sogar ziemlich ungerecht. Doch wenn du willst, kannst du was verändern. Also hab Mut! Denn die Welt ist nicht schlecht!" Diese Worte könnten an einen Politiker, eine Politikerin gerichtet sein, deren Legislaturperiode in dieser Zeit beginnt. Menschen, die eine Aufgabe übernehmen brauchen eine Ermutigung.
Diese Worte könnten gerichtet sein an einen Jugendlichen, der in diesen Wochen außer Haus gegangen ist, weil der Lehr- und Lernort oder auch die Stationierung sich ganz woanders befindet. Da werden Menschen in die Freiheit entlassen und doch mit ganz neuen Anforderungen konfrontiert. Werden sie sie bestehen?
„Das Leben ist nicht immer nur einfach und manchmal sogar ziemlich ungerecht. Doch wenn du willst, kannst du was verändern. Also hab Mut! Denn die Welt ist nicht schlecht!"
Diese Worte könnten gerichtet sein an ein ganzes Volk, das in die Freiheit entlassen wird und auf das neue Prüfungen und Schwierigkeiten zukommen wird. So wie damals für uns vor zwanzig Jahren.
Diese Worte entstammen einem Lied im Vorspann zu einem Film über die Zehn Gebote. Und damit sind sie tatsächlich als „Vorspruch" an ein Volk gerichtet, das in die Freiheit entlassen ist und sich diese Freiheit erhalten und in ihr bewähren soll. Den Erzählungen der Bibel nach hatte das Volk Israel die Sklaverei in Ägypten verlassen und befand sich auf dem Weg in das Gelobte Land, „wo Milch und Honig fließt".
Blühende Landschaften werden in den Versen des eingangs genannten Liedes nicht versprochen. Eher ernüchternd wird darauf hingewiesen, dass es Schwierigkeiten geben wird, unter denen manche leiden werden, ja dass sogar Ungerechtigkeit erfahren wird.
Nun könnte ich jammern und klagen über das Elend und alle Zukunftsaussichten schlecht reden.  Aber das geht so nicht. Wenn ich nicht auf halbem Weg stehen bleiben will, dann muss ich weitergehen. Ein Zurück gibt es nicht. Weder für mich, noch für das Volk Israel. Wenn das Volk nicht in der Wüste stecken bleiben will, dann muss es weiterziehen in ein weithin unbekanntes Land. Und das Volk muss sich Lebensregeln geben, die auf der Wanderung in die Freiheit und das Leben im Land gelten sollen. Diese spiegeln sich in den zehn Geboten wieder. Von Mose werden sie der Öffentlichkeit präsentiert.
Politiker unserer Tage präsentieren der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen, ihre Ziele und auf welchem Weg sie zu erreichen sind.
Ob sie die Zehn Gebote auch dazu nehmen könnten? Läßt sich mit Geboten der Bibel Politik machen? Sicherlich sind die darin enthaltenen Verbote von Diebstahl und Meineid umsetzbar. Aber das erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst nicht andere Götter haben neben mir!", wie lässt sich das im Zusammenleben der Gesellschaft einsetzen?
Im Film zum genannten Vorspann wird die Geschichte einer Schulklasse erzählt. Ein Mädchen möchte unbedingt ganz dazugehören und will auch alles dafür tun. Damit begibt sie sich in Abhängigkeiten und ihr bester Freund in Gefahr. Sie unterwirft sich und kann noch nicht mal sie selber sein. Das erste Gebot will sie davor bewahren sich zu unterwerfen und ihre eigene Freiheit aufzugeben. Für jemanden, der im Arbeitsprozess steht, fällt das manchmal schwer, den Anweisungen des Chefs zu folgen und doch die eigene Würde und Freiheit zu wahren.
„Anordnungen folgen und doch innerliche Freiheit bewahren, geht das? Kann es Grenzen geben, bei denen ich sage: Bis hierher und nicht weiter? Du verlangst zu viel von mir?"
Aber auch derjenige, der in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft Verantwortung trägt, wird durch das erste Gebot gemahnt, sich selbst nicht größer und wichtiger zu nehmen, als er ist. „Von denen, die in gewisser Weise von mir abhängig sind, darf ich keine Unterwerfung verlangen. Ich soll sie achten als Menschen, die Würde und Freiheit haben wie ich."  Das Nachdenken über das erste Gebot kann das Miteinander in der Gesellschaft verändern.

„Das Leben ist nicht immer nur einfach und manchmal sogar ziemlich ungerecht. Doch wenn du willst, kannst du was verändern. Also hab Mut! Denn die Welt ist nicht schlecht!"
Der Vorspann will wie alle Trailer zu Filmen Lust auf mehr machen. Die Zehn Gebote regen zu verantwortlichem Miteinander an. Ich freue mich darauf in dieser Welt zu leben und sie zu verändern. „Denn die Welt ist nicht schlecht!"

 

(M.Heimann, MAZ Jüterboger Echo, 10.10.2009)